Olivenbaum-Blüte: wann er blüht, warum er nicht blüht und wie aus Blüten Oliven werden
Ein Olivenbaum im Kübel blüht in Deutschland meist im Mai und Juni, mit unscheinbaren cremeweißen Rispen. Ob er überhaupt blüht, entscheidet sich schon im Winter davor, und ob aus den Blüten Oliven werden, hängt am Wind und an der Sorte.
Die Blüte ist der Moment, auf den viele Kübelhalter jahrelang warten, und oft genug kommt sie nicht. Der Grund ist selten die Pflege im Mai, meist sind es das Alter des Baums und das, was er im Winter und im Jahr davor erlebt hat. Wer weiß, wo die Blüten entstehen und was sie auslöst, kann gezielt nachhelfen.
Wann blüht der Olivenbaum?
Im Süden Griechenlands steht ein Olivenhain Anfang Mai in voller Blüte, in Wien beginnt sie etwa einen Monat später. Nördlich der Alpen blüht ein Kübelbaum im späten Frühjahr bis frühen Sommer, in der Regel also im Mai und Juni. Nach einem kühlen, nassen Frühjahr kann sich die Blüte bis in den Juli ziehen. Wie lange sie dauert, macht das Wetter: Hitze verkürzt die Blüte, kühle Tage verlängern sie, und von Jahr zu Jahr kann der Beginn um fast einen Monat schwanken.
Zum ersten Mal blüht ein Olivenbaum meist mit vier bis sieben Jahren. Ein Baum aus der Baumschule ist beim Kauf oft schon drei bis vier Jahre alt, die Wartezeit ist also kürzer, als das Alter vermuten lässt. Veredelte Bäume blühen früher als unveredelte. Ein aus einem Kern gezogener Sämling braucht dagegen sehr lange: Seine Jugendphase kann 15 Jahre und mehr dauern.
Entschieden wird die Blüte aber schon im Winter. Olivenbäume brauchen einen Kältereiz, damit aus den Knospen Blüten werden. Er entsteht bei Temperaturen zwischen etwa 7 und 15 °C, am stärksten um 12,5 °C. Über 16 °C sammelt der Baum keine Kälte, und warme Phasen können bereits Gesammeltes wieder aufheben. Die Sorten unterscheiden sich dabei deutlich: Arbequina kommt mit wenig Kälte aus, Frantoio und Leccino brauchen viel. Welche Sorte wofür steht, zeigt die Übersicht Arten und Sorten.
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Blüte im Mittelmeerraum | Vollblüte etwa Anfang Mai (Südgriechenland) |
| Blüte im Kübel in Deutschland | meist Mai und Juni, nach kühlem Frühjahr bis Juli |
| Erste Blüte | meist mit vier bis sieben Jahren, veredelte Bäume früher |
| Aus Samen gezogen | Jugendphase bis 15 Jahre und mehr |
| Kältereiz im Winter | zwischen etwa 7 und 15 °C, über 16 °C keiner |
So sehen Knospen und Blüten aus
Die Blüten sitzen nicht an den Triebspitzen, sondern in den Blattachseln, also dort, wo ein Blatt am Zweig ansetzt. Angelegt werden sie an den Trieben, die im Vorjahr gewachsen sind. Im Frühjahr wächst aus der Achsel ein kleiner, verzweigter Stiel mit grünlichen, kugeligen Knospen, die Blütenrispe. Ein neuer Blatttrieb sieht anders aus: Er streckt sich aus der Spitze des Zweigs und trägt von Anfang an kleine, schmale Blätter.
An einer Rispe öffnen sich meist 15 bis 30 Blüten. Sie sind klein, cremeweiß bis gelblich und haben vier Blütenblätter und zwei Staubblätter. Einzeln fallen sie kaum auf, an einem gut blühenden Baum wirkt die Krone dagegen wie überpudert. Der Duft ist zart und leicht süßlich, wahrnehmbar meist nur aus der Nähe.
In einer Rispe stecken zwei Sorten Blüten: zwittrige mit Stempel und Staubblättern und rein männliche, deren Stempel verkümmert ist. Die männlichen sind in der Regel in der Überzahl. Nur aus den zwittrigen kann eine Olive werden.
Warum der Olivenbaum nicht blüht
Bleibt die Blüte aus, steckt fast immer einer der folgenden Gründe dahinter. Geh sie der Reihe nach durch, oft treffen zwei zusammen.
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Zu jung
Unter etwa vier Jahren blüht kaum ein Olivenbaum, aus Samen gezogene Bäume noch viel später. Frag beim Kauf nach dem Alter und ob der Baum veredelt ist.
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Zu warm überwintert
Im beheizten Wohnzimmer fehlt der Kältereiz. Das hell-kühle Quartier aus dem Ratgeber Olivenbaum überwintern passt auch für die Blüte.
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Blätter im Winter verloren
Für die Blütenbildung braucht der Baum Blätter an den Trieben, die blühen sollen. Ein zu warmes oder zu dunkles Quartier, in dem er Laub abwirft, kostet deshalb oft die Blüte des nächsten Jahres.
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Zu wenig Sonne
Ein Platz im Halbschatten liefert zu wenig Energie. Ab dem Frühjahr gehört der Kübel an die sonnigste Stelle, die du hast.
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Blütentriebe abgeschnitten
Die Blüten entstehen an den Trieben des Vorjahres. Wer im Frühjahr die Krone stark einkürzt, schneidet sie mit ab. Wie du maßvoll schneidest, steht bei Olivenbaum schneiden.
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Pause nach einem starken Jahr
Olivenbäume wechseln oft zwischen reichen und mageren Jahren. Nach einer üppigen Ernte blüht der Baum im Folgejahr manchmal kaum.
Auch ein ungewöhnlich kalter April oder Mai kann die Blüte stören, weil sich die Blütenknospen dann entwickeln. Ein Baum, der lange im alten, ausgelaugten Substrat steht, hat außerdem wenig Reserven. Wie und wann du nachdüngst, steht im Ratgeber Olivenbaum düngen.
Bestäubung: Wind, zweiter Baum und Pinsel
Olivenbäume werden vom Wind bestäubt. Bienen und andere Insekten besuchen die Blüten zwar, für den Fruchtansatz kommt es aber auf den Pollen in der Luft an.
Die meisten Sorten befruchten sich mit eigenem Pollen schlecht oder gar nicht und brauchen für einen guten Fruchtansatz den Pollen einer anderen Sorte. Wie selbstfruchtbar eine bestimmte Sorte ist, lässt sich nicht pauschal sagen: Für dieselbe Sorte gibt es Untersuchungen mit gegensätzlichen Ergebnissen, und die Temperatur während der Blüte spielt mit. Versuche in Sizilien zeigen die Spanne: An eingetüteten Zweigen, die nur eigenen Pollen bekommen sollten, stammten bei Koroneiki 70 % der untersuchten Samen aus Selbstbefruchtung, bei freier Bestäubung nur 11 %. Bei Arbequina stammte kein einziger Samen daraus, auch nicht an den eingetüteten Zweigen. Gesichert ist dagegen, dass Pollen einer zweiten Sorte den Fruchtansatz erhöht, auch bei Sorten, die sich teilweise selbst befruchten.
Für einen einzelnen Baum auf dem Balkon heißt das: Er kann ein paar Oliven ansetzen, verlassen kannst du dich darauf nicht. Wer Früchte möchte, stellt einen zweiten Baum einer anderen Sorte daneben, der zur selben Zeit blüht. Den Pinsel brauchst du nur, wenn der Wind fehlt, etwa an einem sehr geschützten Platz oder hinter Glas. Dann tupfst du während der Vollblüte Blüte für Blüte ab, am besten abwechselnd an beiden Bäumen. Leichtes Schütteln der Zweige an trockenen Tagen hilft ebenfalls. An einem Einzelbaum verteilt der Pinsel nur eigenen Pollen und bringt deshalb wenig, wenn die Sorte sich nicht selbst befruchtet.
Von der Blüte zur Olive
Ein ausgewachsener Olivenbaum trägt zur Vollblüte rund 500.000 Blüten. Für eine volle Ernte reicht es, wenn 1 bis 2 % davon zu Früchten werden. Trägt der Baum nur wenige Blütenstände, sind es bis zu 10 %. Der Rest fällt ab, und das ist kein Krankheitszeichen: Die meisten Blüten, die nicht ansetzen, liegen innerhalb von zwei Wochen nach der Vollblüte unter dem Baum. Spätestens nach sechs Wochen steht fest, welche Früchte bleiben, und der Kern ist dann bereits hart.
Danach wächst das Fruchtfleisch bis in den Herbst. Die Oliven wechseln von Grün über ein helles Strohgelb zu Violett und schließlich zu Schwarz. Geerntet wird zwischen November und Januar, grün oder reif, je nachdem, wie du sie verwenden willst. Was der Unterschied bedeutet, erklärt der Artikel Grüne und schwarze Oliven.
Roh essen kannst du die Oliven nicht. Frisch vom Baum enthalten sie den Bitterstoff Oleuropein und schmecken ungenießbar bitter. Essbar werden sie erst durch Entbittern, zum Beispiel über Wochen in Wasser oder Salzlake. Im Kübel hängen meist nur wenige Früchte, für ein Glas eingelegte Oliven reicht es aber manchmal.
| Zeitpunkt | Was passiert |
|---|---|
| Vollblüte (Mai/Juni) | rund 500.000 Blüten an einem ausgewachsenen Baum |
| bis 2 Wochen danach | die meisten nicht befruchteten Blüten fallen ab |
| spätestens 6 Wochen danach | Fruchtansatz steht fest, der Kern ist hart |
| Sommer bis Herbst | Fruchtfleisch wächst, Farbe wechselt von Grün zu Violett und Schwarz |
| November bis Januar | Ernte, danach entbittern |
Pflege während der Blüte und ob man Blüten schneidet
Während der Blüte braucht der Baum vor allem einen sonnigen, nicht zu zugigen Platz. Heiße, trockene Winde lassen mehr Blüten abfallen, und lange Regenphasen oder sehr feuchte Luft stören die Bestäubung. Ein Kübel lässt sich bei Unwetter unter den Dachüberstand rücken. Gegen heißen, trockenen Wind hilft ein Platz vor der Hauswand statt in der Ecke des Dachgartens, ein Luftzug sollte aber bleiben, denn die Bestäubung braucht Wind. Gieße wie im übrigen Sommer: Der Ballen soll nicht austrocknen, Wasser im Untersetzer ist aber zu viel. Die Einzelheiten stehen bei Olivenbaum gießen. Den Pflegeablauf übers ganze Jahr zeigt Der Olivenbaum im Jahresverlauf.
Die Blüten schneiden musst du nicht. Der Baum regelt den Fruchtansatz selbst und wirft überzählige Blüten ab, verblühte Rispen fallen ebenso von allein. Ein Schnitt in der Blüte nimmt dir nur die Oliven dieses Jahres.
Willst du keine Oliven, etwa weil die reifen Früchte auf hellem Terrassenboden Flecken hinterlassen, knipst du die Blütenrispen ab. Bei einem Kübelbaum ist das mit einer kleinen Schere schnell erledigt. Wer im Frühjahr Äste entfernt, nimmt ebenfalls mögliche Blüten mit.
FAQ: Olivenbaum-Blüte
Wann bekommt der Olivenbaum Blüten?
Wann tragen Olivenbäume die ersten Früchte?
Kann man die Früchte vom Olivenbaum essen?
Muss ich die Blüten meines Olivenbaums schneiden?
Braucht ein Olivenbaum einen zweiten Baum zum Bestäuben?
Olivenbaum-Blüte: unsere Empfehlung
Für die Blüte im Mai und Juni sorgst du vor allem im Winter davor: hell und kühl überwintern, damit der Baum seinen Kältereiz bekommt und seine Blätter behält. Im Frühjahr maßvoll schneiden, weil die Blüten an den Trieben des Vorjahres sitzen, und den Kübel an den sonnigsten Platz stellen.
Dass nur wenige Blüten zu Oliven werden, ist normal. Wer mehr Früchte will, stellt einen zweiten Baum einer anderen Sorte dazu. Die Blüten abzuschneiden lohnt sich nur, wenn du gar keine Oliven möchtest.